Die Mobilität der Zukunft braucht Vertrauen und Convenience

Alain Groff Amt für Mobilität BS

Unterwegs zu sein ist in den meisten Fällen Mittel zum Zweck. Ich bin am Ort A und muss für eine nächste Aktivität zum Ort B gelangen, weil ich dort einkaufen, arbeiten oder Bekannte besuchen möchte. Den Weg dorthin will ich möglichst bequem zurücklegen. Convenience ist also ein wesentlicher Faktor bei der Wahl des Verkehrsmittels, zudem sind Menschen in ihren Verkehrsgewohnheiten überaus träge. Ein Beitrag von Alain Groff, Leiter Mobilität Kanton Basel-Stadt, darüber, was es braucht, eingefleischte Autofahrer vom öffentlichen Verkehr zu überzeugen und welche Rolle Convenience und Vertrauen für die Planung der Mobilität einnehmen.

Den Kauf des gültigen Fahrausweises meistern

Das individuelle Auto im Privatbesitz verspricht Flexibilität und Freiheit: einsteigen und losfahren, wann und wohin man will. Doch einmal unterwegs kann es anstrengend werden, vor allem im dichten Verkehr zu Stosszeiten. Wer den ÖV benützt, braucht sich nicht auf den Verkehr zu konzentrieren, kann lesen, telefonieren, schmusen oder dösen– die Zeit unterwegs kann vielfältig genutzt werden. Zunächst muss man allerdings seine Fahrt vorbereiten, sich mit Linien und Fahrplan, Anschlüssen und Haltestellen befassen.

Wer den ÖV benützt, braucht sich nicht auf den Verkehr zu konzentrieren, kann lesen, telefonieren, schmusen oder dösen.

Für Gelegenheitskunden gilt es, erst mal das System zu verstehen und auch den Kauf des gültigen Fahrausweises zu meistern. Einfache Lösungen für Abonnenten – etwa das GA – befreien die Stammkundschaft von allen Billet-Sorgen. Wer den ÖV nur manchmal braucht, ist heute mit Rundum-Sorglos-Apps wie Lezzgo oder Fairtiq gut bedient.

Einmal über den Bildschirm wischen beim Einsteigen, ein weiteres Mal beim Aussteigen – und die Rechnung kommt nach Hause. Die Digitalisierung erleichtert auch sonst die Fahrt mit den „Öffis“: Dynamische Anzeigen geben die Wartezeit bis zur Abfahrt an, Websites helfen bei der Planung der Route, Apps geben unterwegs Auskunft in Echtzeit.

Convenience mit der App Fairtiq: der Billettkauf entfällt bei einem Verkehrsmittelwechsel.

Das Warten unkompliziert gestalten

An so genannten Doppelhaltestellen steigt der Adrenalinspiegel der Fahrgäste: Hält mein Tram vorne oder hinten? Hektik und Gedränge auf den Perrons sind die Folge – seh- oder gehbehinderte Menschen tun sich besonders schwer.

Manchmal hängt Convenience auch an Details: An so genannten Doppelhaltestellen steigt der Adrenalinspiegel der Fahrgäste: Hält mein Tram vorne oder hinten? Hektik und Gedränge auf den Perrons sind die Folge – seh- oder gehbehinderte Menschen tun sich besonders schwer. Einfachhaltestellen statt Doppelhaltestellen machen den Fahrgästen das Warten … einfacher. Die positiven Reaktionen auf den jüngst in Basel durchgeführten Praxistest bestätigen es: Die Fahrgäste mögen es unkompliziert.

Wer ein GA sein Eigen nennt, verzichtet gerne mal aufs eigene Auto und verlässt sich für seine Wege auf den ÖV.

Unkompliziert ist das Stichwort: Der in der Schweiz allgegenwärtige Taktfahrplan garantiert jede Stunde dieselben Abfahrtszeiten, systematische Anschlüsse und eine hohe Taktdichte. All dies schafft ein in sich schlüssiges System, dem die Kundinnen und Kunden vertrauen können. Wer ein GA sein Eigen nennt, verzichtet gerne mal aufs eigene Auto und verlässt sich für seine Wege auf den ÖV. Vertrauen aber muss man sich erst einmal verdienen.

Erfolgsfaktoren zukünftiger Mobilitätsdienstleistungen

Das gilt speziell auch für neue Anbieter innovativer Mobilitätsdienstleistungen. Das Nutzen von Sharing-Fahrzeugen (ob E-Bikes, Elektro-Trottis oder Autos) ist insgesamt sehr bequem: Die Kunden müssen sich um Wartung, Reparaturen, Nachladen und Ähnliches nicht kümmern. Dabei müssen die Apps der Anbieter sehr einfach zu bedienen sein und absolut zuverlässig funktionieren. Ist das erwartete E-Bike nicht dort, wo die App es anzeigt, ist der Tank des gebuchten Autos leer, oder schaltet die Software das reservierte Trotti nicht gleich frei, dann ist das Vertrauen schnell verloren.

Vertrauen fördern: Die App Flash fordert beim Abstellen des E-Scooters den Nutzer zum Foto auf, nur so kann die Fahrt abgeschlossen werden. Eine Funktion, die «das Verstecken» unterbindet, damit der nächste Nutzer das Gefährt am richtigen Ort wiederfindet.

Die Zukunft gehört Plattformen, die diese Angebote integrieren, sodass Information, Buchung und Zahlung über eine einzige App funktionieren.

Bisher müssen sich die Nutzenden allerdings bei jedem Anbieter separat registrieren und für jedes Sharingsystem eine eigene App aufrufen. Die Zukunft gehört Plattformen, die diese Angebote integrieren, sodass Information, Buchung und Zahlung über eine einzige App funktionieren. Dies soll die Suche nach der besten Lösung erleichtern, die Wahl und Kombination der am besten geeigneten Verkehrsmittel für die täglichen Wege noch bequemer machen. Für derart integrierte digitale Angebote steht der modische Begriff „MaaS“: Mobility as a Service.

Immer mehr Baslerinnen und Basler nutzen übrigens im Alltag schlicht das eigene Velo, weil sie so einfach, bequem und schnell ans Ziel kommen. Und manchmal vergessen wir, dass für kurze Wege nichts so convenient ist, wie einfach mal ein paar Minuten zu Fuss zu gehen. Umso wichtiger, dass wir auch in Zukunft dafür Sorge tragen, dass Basel eine Stadt der kurzen Wege bleibt, eine Stadt, die es vielen ihrer Einwohnerinnen und Einwohnern ermöglicht, aufs Auto zu verzichten.

 

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Autor

Alain

Alain Groff

Alain Groff leitet das Amt für Mobilität des Kantons Basel-Stadt. Er hat das Tram-Train Projekt Luxemburg im Verkehrsministerium des Grossherzogtums geleitet und internationale Projekte für das Büro TTK Karlsruhe bearbeitet. Für den Kanton Basel-Stadt ist Alain Groff seit 2001 tätig, zunächst als Leiter des Ressorts Verkehr im Wirtschafts- und Sozialdepartement. 2009 übernahm er die Leitung des Amts für Mobilität.

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