„Skifahren soll ein Sport für jedermann sein und kein Luxusgut.“

Pascal Schär Saastal Tourismus

Seit der Wintersaison 16/17 hat Saas-Fee die WinterCARD zum Preis von CHF 222.- eingeführt. Dadurch können Gäste im Verhältnis zum Tageskartenpreis nach drei Tagen bereits kostenlos die Pisten geniessen. Wir haben nachgefragt, was hinter dem Konzept steckt. Im Interview: Pascal Schär, Geschäftsführer Saastal Tourismus.

Interview mit Pascal Schär
Geschäftsführer Saastal Tourismus

Auf den ersten Blick erscheint der Preis für die WinterCARD so günstig, dass man das Gefühl bekommt, die Saisonkarte wird einem beinahe hinterhergeworfen. Was steckt dahinter und wie kam die Idee zustande?

Die WinterCARD ist die Folge der Entwicklung des Wintertourismus in den vergangenen Jahren. Die Logiernächte und Ersteintritte bei den Bergbahnen sanken in den letzten 10 Jahren markant. Zudem brachen mit der Aufhebung des Euromindestkurses die Gäste aus dem EU-Raum weg. Die finanzielle Situation der Saastal Bergbahnen sowie einiger Hotels im Saastal spannte sich an.

„Die WinterCARD ist eine der grössten Crowd-
funding-Aktionen in Europa.“

Die WinterCARD wurde mittels Crowdfunding auf der Plattform www.we-make-it-happen.ch ins Leben gerufen. Es mussten sich im ersten Jahr 99’999 Personen für eine Karte registrieren, damit der Deal zustande kam. Wie können Sie sich diesen Erfolg erklären?

Die WinterCARD ist eine der grössten Crowdfunding-Aktionen in Europa. Es ist ein tolles Zeichen, dass eine solche Aktion so viele Menschen mobilisieren konnte und weiterhin kann. Der Käufer hat nichts zu verlieren, da der Kauf nur zustande kommt, wenn die Anzahl benötigter Registrierungen erreicht worden ist.

Was machte den Crowdfunding-Ansatz für Euch attraktiv?

Beim Crowdfunding entsteht eine win-win-Situation. Für uns war es die Sicherheit, ohne Erreichen des Zieles eine Preisstruktur analog zu den vorgängigen

„Auch der Gewinn der Marketing Trophy in diesem Jahr zeigt uns, dass wir mit diesem innovativen Ansatz auf dem richtigen Weg sind.“

Jahren zu haben und andererseits bei Erreichen einer gewissen Anzahl Käufer bereits ein Mindestumsatz für die Saastal Bergbahnen gegeben wäre.  Auch der Gewinn der Marketing Trophy in diesem Jahr zeigt uns, dass wir mit diesem innovativen Ansatz auf dem richtigen Weg sind.

Dank der WinterCARD können Sportbegeisterte die Pisten in Saas Fee im Vergleich zum Tageskartenpreis bereits ab dem dritten Tag gratis hinuntersausen.

Mit dem Upgrade Gold-Card wurden noch weitere Leistungsträger aktiv eingebunden. Weshalb wurde das Angebot erweitert?

Unser Ziel mit der WinterCARD Gold ist es, die gesamte Erlebniskette abzudecken und den unterschiedlichen Bedürfnissen der Gäste gerecht zu werden. Zu den Winterferien gehört nicht nur das Pistenerlebnis, sondern auch weitere Angebote von der Anreise über die Hotellerie und Gastronomie bis hin zur Abreise. Zudem profitiert das ganze Saastal von der WinterCARD.

 

Gibt es konkret zu beziffernde Effekte? Haben sie bereits Zahlen zu Veränderungen im Umsatz?

Die WinterCARD 16/17 hat sehr positive Auswirkungen auf die Wertschöpfung im ganzen Saastal. Die Logiernächte stiegen in der Wintersaison 16/17 um
16,6 % und die Ersteintritte bei den Bergbahnen, die sogenannten Skierdays, stiegen um 50 %, das entspricht ca. 170’000 Ersteintritten. Für die Destination gehen wir von einer Steigerung der Wertschöpfung von rund 25 Mio.CHF aus.

„Die Logiernächte stiegen in der Wintersaison 16/17 um 16,6 % und die Ersteintritte bei den Bergbahnen, die sogenannten Skierdays, stiegen um
50 %, das entspricht ca. 170’000 Ersteintritten. Für die Destination gehen wir von einer Steigerung der Wertschöpfung von rund 25 Mio. CHF aus.“

Nicht nur im Winter konnte die Destination von der WinterCARD profitieren, auch im Sommer legten die Logiernächte um 6 % zu. Dies vermutlich durch die gesteigerte Präsenz vom Saastal in den Medien sowie dem höheren Werbedruck während des Winters.

In der Presse gab es negative Stimmen bezüglich des negativen Einflusses des Preiskampfes auf Ski-Gebiete in der Schweiz, wie sehen Sie das?

Wir sehen die Aktion als innovative Lösung, um Angebot und Nachfrage wieder ins Lot zu bringen. Wir möchten den Wintertourismus in der Schweiz wieder konkurrenzfähig machen; Viele Gäste sind in der Vergangenheit ins benachbarte Ausland abgewandert. Diese gilt es wieder zurückzugewinnen. Skifahren soll ein Sport für jedermann sein und kein Luxusgut.

Was können Unternehmen oder öffentliche Institutionen von Ihrem Ansatz lernen?

Es ist allgemein wichtig, dass Unternehmen innovativ sind und neuen, attraktiven Produkten Raum geben. Durch die WinterCARD konnten wir im Saastal eine markante Steigerung der Anzahl Logiernächte, der Ankünfte und Ersteintritte verbuchen. Dies steigert die Wertschöpfung im ganzen Tal. Zusätzlich erhoffen wir uns durch solch kreative Aktionen einen Strukturwandel im Tourismus. Gerade hier im Saastal haben viele Hoteliers Probleme, Nachfolger für

„Zusätzlich erhoffen wir uns durch solch kreative Aktionen einen Strukturwandel im Tourismus.“

Ihre Hotels zu finden. Die Jungen verlassen die Bergtäler, weil sie bessere Chancen im Unterland haben. Wir arbeiten an einem kreativen Image, das auch Junge wieder in die Berge lockt und ihnen gute Möglichkeiten bietet.
Um ein Projekt wie dieses umzusetzen, braucht es Mut, den Willen für Innovation und die Mitarbeit von Partnern. Aus unserer Sicht können wir sagen, dass es sich lohnt.

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