Nachhaltigkeit bei Haberkorn

Gerald Fitz

Haberkorn versorgt Industrie- und Bauunternehmen mit Arbeitsschutz, Schmierstoffen und technischen Produkten wie Schläuche, Maschinenelemente und Hydraulik. Kompetente Fachberater, Produktdienstleistungen und die besondere Kenntnis der Beschaffungsmärkte in allen Sortimenten machen Haberkorn zum Multispezialist. Logistik-Services und E-Business-Lösungen ersparen den Kunden Zeit und Geld. Nachhaltig zu handeln ist eine wichtige strategische Säule für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens.

Fitz Gerald

Interview mit Mag. Gerald Fitz

Vorstand Haberkorn GmbH
www.haberkorn.com

Das Familienunternehmen mit Sitz in Wolfurt/ Vorarlberg wurde 1932 gegründet. Heute zählt Haberkorn mit über 1.500 Mitarbeitern und über 30 Standorten in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Osteuropa zu den führenden technischen Händlern Europas.

Der Anspruch der Nachhaltigkeit stellt grosse Anforderungen an Unternehmen. Was verstehen Sie unter Nachhaltigkeit und einem nachhaltigen Unternehmen?
Nachhaltig leben und wirtschaften heißt, so zu agieren, dass auch für kommende Generationen eine lebenswerte Zukunft möglich ist. Dies erfordert ein langfristig orientiertes unternehmerisches Handeln. Entscheidend dabei ist, dass wirtschaftlicher Erfolg mit ökologischen und sozialen Zielen im Gleichgewicht steht und nicht alles eindimensional auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist.

Viele Unternehmen tun Gutes, um darüber zu reden. Wieso möchten Sie als Unternehmen nachhaltig sein?
Die gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen sind enorm. Wir leben im wahrsten Sinne des Wortes auf zu großem Fuß. Dies bedeutet, wir verbrauchen zu viele Ressourcen, zu viel Co2. Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen. Ich bin aber auch überzeugt, dass nachhaltiges Handeln langfristig gesehen Voraussetzung für unternehmerischen Erfolg ist.

Was tut Haberkorn beim Thema Nachhaltigkeit und welche Schulnote würden Sie Ihrem Unternehmen auf diesem Gebiet  geben?
Nachhaltiges Handeln besteht bei Haberkorn aus drei Säulen:

  • wertschätzender Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
  • bewusste Gestaltung von Sortiment und Services
  • ressourcenschonende Prozesse

Für jede der Säulen gibt es Handlungsschwerpunkte mit zahlreichen Einzelmaßnahmen. Beispiele sind: Programm zur betrieblichen Gesundheitsförderung, Laufende Messung Mitarbeiterzufriedenheit und Ableitung von Maßnahmen (Great Place to Work), Gewinnbeteiligung für die Mitarbeiter, Screening Sortiment nach Nachhaltigkeitskriterien (Kennzeichnen Positivprodukte, Bearbeiten Negativprodukte, Code of Conduct für Lieferanten), laufende Optimierung der Energieeffizienz Reduktion Co2-Verbrauch Fuhrpark (Spritspartrainings, Reduktion KM durch verbesserte Routenplanung, Co2-Höchstwerte bei Neuanschaffungen), Installation Photovoltaikanlage, Förderung einer sanften Mitarbeitermobilität (Kostenersatz Tickets öffentlicher Verkehr, Pendlerberatung,
Sensibilisierung), Initiative zur Integration benachteiligter Jugendlicher in den Arbeitsmarkt, Unterstützung von Flüchtlingen in Jordanien, Türkei und Österreich.

Haberkorn_Bild1
Verleihung des TRIGOS Preises an die Firma Haberkorn

Sich selbst zu benoten ist immer schwierig. Stolz sind wir aber auf verschiedene Auszeichnungen wie den Gewinn des TRIGOS 2014, der Preis für bestes ganzheitliches CSR-Engagement von großen Unternehmen in Österreich.

Woher kam die Initialzündung für das Thema? Und wo gab es intern die größten Barrieren und Widerstände auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit?

Die Initialzündung kam aus dem Austausch von Vorstand und Eigentümerfamilie. Das Thema wird bei Haberkorn vom Vorstand getragen. Um Widerstände zu vermeiden, haben wir frühzeitig Führungskräfte und Mitarbeiter eingebunden. So sind bei uns zahlreiche Mitarbeiter in Teams zu verschiedenen Themen wie Gesundheit oder Mobilität engagiert. Probleme gibt es dann, wenn das Verhältnis von Aufwand für einzelne Maßnahmen in keiner Relation zu deren Bedeutung steht.

Wie wird Nachhaltigkeit bei Haberkorn intern für Mitarbeiter und extern für Kunden bzw. weitere Stakeholder sichtbar? Und haben Sie einen Einfluss auf die Wahrnehmung der Marke Haberkorn feststellen können?
Nachhaltigkeit soll nach unserem Verständnis vor allem über das Tun und über die Maßnahmen sichtbar werden. Die Mitarbeiter bekommen da sehr viel mit. Stakeholder und Kunden nehmen unser Engagement über viele Kanäle wahr: Berichte über Haberkorn als Best-Practice-Unternehmen, Engagement in Arbeitsgruppen mit anderen Unternehmen und Stakeholdern, Nachhaltigkeit als Teil jeder Unternehmenspräsentation.Nachhaltigkeit beeinflusst die Wahrnehmung der Marke Haberkorn positiv und ist inzwischen zu einem wichtigen Teil des Markenkerns und der Identität von Haberkorn geworden.

Das Engagement für mehr Nachhaltigkeit kostet Haberkorn ja auch Geld. Denken Sie, dass Sie aufgrund dieses Engagements am Ende des Jahres mehr Schrauben verkauft haben?
Einen direkten Einfluss auf den Umsatz sehe ich nicht. Bei der Kaufentscheidung steht für den Kunden das Leistungspaket im Vordergrund. Unser Engagement hat aber langfristig sicher einen positiven Einfluss auf den Unternehmenserfolg: Es stärkt die Marke Haberkorn, wirkt sinnstiftend für die Mitarbeiter, macht das Unternehmen attraktiv für Bewerber, steigert die Kundenbindung.

Die Erfolge von nachhaltigem Handeln lassen sich dennoch nicht so einfach in der Bilanz ablesen. Wie messen Sie den Erfolg bei Haberkorn? Woran machen Sie fest, ob Sie bei dem Thema vorankommen?
Wir haben Handlungsschwerpunkte und Masterpläne und beobachten regelmäßig den Fortschritt. Auch wenn sich die Erfolge nicht direkt in der Bilanz ablesen lassen, gibt es eine Reihe von quantitativen Messgrößen wie zum Beispiel Co2-Verbrauch, Mitarbeiterzufriedenheit, Anteil nachhaltiger Produkte am Umsatz.

Unser Team vom bruhn+partner darf Haberkorn zurzeit beim Thema Kundenorientierung begleiten. Denken Sie, dass nachhaltiges Handeln auch ein Treiber von Kundenzufriedenheit sein kann?
Wir haben Nachhaltigkeit in unserem Modell nicht als direkten Treiber für Kundenzufriedenheit definiert. Nachhaltigkeit erzeugt aber Sympathie und hat somit langfristig sicherlich eine positive Wirkung auf die Kundenbindung.

Wie weit können und möchten Sie in Zukunft noch gehen auf dem Weg zu (noch) mehr Nachhaltigkeit bei Haberkorn?
Wir haben schon einen sehr guten Entwicklungsstand. Dies bestätigen uns auch verschiedene Auszeichnungen. Wir haben im Unternehmen den Anspruch, uns auch auf hohem Niveau kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dies gilt auch für den Bereich Nachhaltigkeit.

Aus unserer Erfahrung sind folgende Faktoren für die erfolgreiche Verankerung von Nachhaltigkeit im Unternehmen wichtig:

  • Geschäftsleitung als Treiber für Nachhaltigkeit
  • Breite Einbindung der Mitarbeiter bei der Erarbeitung und Umsetzung von Maßnahmen
  • Setzen von Schwerpunkten abgeleitet aus der Unternehmensstrategie
  • Konsequente, dauerhafte Umsetzung – der Erfolg liegt in zahlreichen Einzelmaßnahmen

Beitrag teilen

LinkedIn Twitter Xing Xing

Als PDF speichern

PDF