Künstliche Intelligenz für die Geschäftsmodell-innovation nutzen

Johannes Winter acatech

Wie sieht der unternehmerische Blick in die digitale Zukunft aus? Künstliche Intelligenz (KI) hat das Potential zum Game Changer zu werden und die Spielregeln unserer Wirtschaft nachhaltig zu verändern. Erfolgreiche Geschäftsmodelle werden durch steigenden Wettbewerbs- und Kostendruck, aufbrechende Silos und die Commoditisierung von Produkten und Dienstleistungen beansprucht; neue Marktteilnehmer bieten ganz neue Nutzenversprechen an, die datenbasiert und disruptiv sein werden.

  • Ein Mobilitätsangebot, das Sicherheit und Pünktlichkeit garantiert (2017: 1,3 Mio. Verkehrstote weltweit; 25% aller Fernverkehrsverbindungen der Deutschen Bahn unpünktlich).
  • Eine Krankheitsdiagnose, die auf Millionen von Patientendaten und neuesten klinischen Studien beruht, und verlässliche, wirkungsvolle Therapievorschläge für den Arzt anbietet (anstelle subjektiver Bewertungen bei z.B. radiologischer und pathologischer Bildauswertung).
  • Rettungskräfte, denen ein vollständiges Lagebild einer Gefahrensituation vorliegt, und die autonome Systeme für gefährliche Lösch- und Bergungseinsätze einsetzen können, um ihr Leben und das anderer schützen zu können.

„Eine Krankheitsdiagnose, die auf Millionen von Patientendaten und neuesten klinischen Studien beruht, und verlässliche, wirkungsvolle Therapievorschläge für den Arzt anbietet.“

Datengetriebene Innovation

Hinter neuen, personalisierten Leistungsbündeln aus Produkten, Dienstleistungen und digitalen Services steckt nicht selten künstliche Intelligenz. Die Anfänge der KI liegen mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Der große Durchbruch gelang allerdings erst vor wenigen Jahren. Das Internet brachte Mengen an Daten, mit denen sich lernende, adaptive Software-Systeme trainieren ließen und somit Robustheit im Einsatz erreichten. Das exponentielle Wachstum in der IT-Industrie mit enormen Fortschritten bei der Rechen- und Speicherleistung ermöglicht es nun, diese Daten maschinell zu verarbeiten und zu verstehen, und dies nahezu in Echtzeit. Beispielsweise hilft KI bei der Sprach- und Mustererkennung, Bildverarbeitung, beim maschinellen Sehen oder Zusammenwirken von Mensch und (kognitiver) Maschine. Das sorgt für

„Weltweit wird die Wirtschaftsleistung dank KI bis 2030 um 12-14 Billionen Euro zulegen.“

Schwerpunkte politischer KI-Strategien: Was von einzelnen Ländern angestossen wird, um die wirtschaftlichen Chancen von KI zu nutzen. Quelle: https://www.plattform-lernende-systeme.de/ki-strategien.html.

neue datengetriebene Produkt- und Serviceinnovationen in nahezu allen Industrien. Beispiele sind eine echtzeitfähige, intelligente Produktion (Industrie 4.0), automatisierte Presseartikel u.a. in der Sportberichterstattung, die maschinelle Schadensbearbeitung in der Versicherungswirtschaft (z.B. KfZ-Haftpflicht), der Vertragsabschluss und das automatisierte Underwriting in der Finanz-, Rechts- und Versicherungswirtschaft (z.B. FinTechs, LegalTechs, InsuranceTech), aber auch bei der Analyse und Entscheidungsfindung in unterschiedlichen Branchen (z.B. E-Health). Weltweit wird die Wirtschaftsleistung dank KI bis 2030 um 12-14 Billionen Euro zulegen. Vor allem die IT-Industrie profitiert als Ausrüster, aber auch die Anbieter und Anwender von KI.

Übersicht der KI-Akteure weltweit. Sie treiben das Thema KI von der wirtschaftlichen Seite her an. Quelle: https://www.plattform-lernende-systeme.de/ki-akteure.html.

„Künstliche Intelligenz (KI) hat das Potential zum Game Changer zu werden und die Spielregeln unserer Wirtschaft nachhaltig zu verändern.“

Was sich jedes Unternehmen fragen sollte

Unternehmen sollten sich daher intensiv mit dem Impact der digitalen Transformation auf ihre Organisation und ihr Geschäft auseinandersetzen. Dabei ergeben sich u. a. folgende Fragen:

  • Wie lässt sich durch KI die Produktivität im Unternehmen steigern? Wo besteht Handlungsbedarf für die Weiterentwicklung des bestehenden Geschäftsmodells? Wie lassen sich digitale Geschäftsmodelle realisieren, die zudem neue Nutzenversprechen ermöglichen?
  • Wo kann KI in Produkten und Dienstleistungen eingesetzt werden, um die Personalisierung und die Produkt- und Servicequalität zu erhöhen?
  • Wer könnten adäquate Partner für eine Kollaboration in plattformbasierten Ökosystemen sein? Künftig werden Forschungsorganisationen, Großunternehmen, aber auch spezialisierte Mittelständler tragende Säulen im digitalen Ökosystem. Über diese neuen Kooperationsformen unterschiedlicher Akteure können komplettere, nutzerfokussierte Lösungen angeboten werden, die auf Komplementarität der beteiligten Spieler beruhen.
  • KI bringt neue Formen der Mensch-Maschine-Interaktion, wofür es eine neue Führungskultur, eine konsequente Aus- und Weiterbildung braucht und wodurch mehr Verantwortung auf den Einzelnen übertragen wird. Was heißt das für die Organisationsentwicklung?

Merkpunkte

  • Seit zwei Jahrzehnten erleben wir eine Renaissance der Künstlichen Intelligenz. Dies wurde möglich, weil wir heute die Prozessoren, Speicher und Netze haben, um die immensen Datenmengen aus Internet und Sensorik zu verarbeiten. Maschinelle Intelligenz kann somit kostengünstig in der Fläche eingesetzt werden.
  • Wer die Daten intelligenter Objekte wie Fahrzeuge, Maschinen, Hausgeräte oder Medizinprodukte mit den Nutzerdaten zusammenbringt, kann dem Nutzer passgenaue Angebote machen, die sich im Wettbewerb unterscheiden. Unternehmen sollten KI daher zur Chefsache machen.
  • Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird unsere Arbeits- und Lebenswelt nachhaltig prägen. Stakeholder-übergreifender Austausch trägt dazu bei, Kompetenzen im KI-Bereich zu bündeln, Chancen und Herausforderungen neuer Technologien gewerkeübergreifend zu thematisieren, Gestal-tungsoptionen und Anwendungsszenarien für KI zu erarbeiten, und Volkswirtschaften auf dem Weg durch die digitale Transformation zu begleiten. In Deutschland leistet die Plattform Lernende Systeme diesen Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.

Weiterführende Literatur

downdown

Autor

Johannes

Dr. Johannes Winter

Dr. Johannes Winter leitet die Geschäftsstelle der Plattform Lernende Systeme, in der sich 200 Persönlichkeiten aus Unternehmen, Forschung, Gesellschaft und Politik mit dem Impact von Künstlicher Intelligenz auf Wirtschaft und Gesellschaft befassen. Zudem ist Johannes Winter Bereichsleiter Technologien bei acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und hat einen Lehrauftrag an der Hochschule für Ökonomie und Management in München.
E-Mail: winter@acatech.de

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