Gamification: Eintagsfliege oder Management-konzept?

Manfred Bruhn Gründungsmitglied und Partner bei bruhn+partner

Social Media, Story Telling, Content Marketing – Anglizismen finden immer wieder Einzug in das Jargon der Marketiers und auf die Titelblätter von Fachmagazinen. Mit „Gamification" hat sich ein weiterer einen Platz in dieser Reihe erobert.

Dem Grundgedanken lässt sich auch zunächst nichts entgegnen. Spielerisches Lernen steigert erwiesenermassen den Lernerfolg. Und in der Marktforschung erhöhen spielerische Elemente die Abschlussrate. Sogar über musikalische Tugenden kann z.B. die Unternehmenskultur gestaltet werden. Aber ist der Einsatz von spielerischen Elementen in Managementdisziplinen ein nachhaltiger und sinnvoller Ansatz?

Bei der Strategieimplementierung, der Verankerung von Markenwerten und Projekten zur Kundenorientierung kann der Einsatz von Spielen aus eigener Erfahrung durchaus die Akzeptanz für Veränderungen steigern und diese bewusst anstossen. Doch muss auch die Methode als solche – der Einsatz von Gamifaction – auf Akzeptanz treffen. Hier gelten die bekannten Prinzipien: Ohne Vorbildfunktion der Führung und messbare Erfolge werden gewünschte Effekte auf sich warten lassen. Es ist ein direkter Link zu den Spielteilnehmern herzustellen, was auch bedeutet, Motivationsmechanismen bewusst einzusetzen.

 „Der Einsatz von Gamification kommt einer Gratwanderung gleich.“

Also Gamification ja, aber nicht als Allheilmittel: Mitarbeitende können beispielsweise durch den Einsatz von Wettbewerbsmechanismen incentiviert werden. Wenn dies aber nicht in eine authentische Story eingebettet ist, wirkt es nur kurzfristig motivierend und schliesslich sogar kontraproduktiv. Die erwünschten Handlungsweisen können so nicht erreicht werden. Der Einsatz von Gamification kommt folglich einer Gratwanderung gleich.

Ist der Einsatz von Spielen aber gut geplant, stimmt der Kontext und ergibt sich eine positive Spieldynamik, können strategische Themen neu und attraktiv aufgeladen werden. Neben den Zielen als solchen hat dies auch hohen Wert für die interne Kommunikation: Es entsteht eine Story, Content mit Unterhaltungswert, der Mitarbeitende und Kunden aktivieren kann.

Zusammengefasst ist Gamification kein Patentrezept für die Implementierung und Optimierung von Strategieprozessen. Im Sinne eines Managementkonzeptes ist deshalb zu prüfen, ob Gamification für eine einmalige Aktion zum Einsatz kommt oder sich als Führungsmethodik dauerhaft etabliert. Gamification ist zudem eine Gratwanderung zwischen der Ernsthaftigkeit von Veränderungsprozessen und der Leichtigkeit des Umgangs mit dem Thema.

Eine Auseinandersetzung mit der Thematik lohnt sich in jedem Fall. Denn dort, wo Unternehmen Gamification strategisch durchdacht zum Einsatz bringen, können sie die freigesetzte Energie von Spielen systematisch nutzen und damit dauerhaft Veränderungen begünstigen.

 

Autor

Manfred

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Manfred Bruhn

Manfred Bruhn ist Mitglied der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel, Honorarprofessor an der TU München sowie Gründungsmitglied und Partner bei bruhn+partner

Beitrag teilen

LinkedIn Twitter Xing Xing

Als PDF speichern

PDF