MAN: Neue Wege der digitalen Transformation

Frank Tinschert

Zur optimalen Nutzung der Chancen, die sich aus der digitalen Transformation ergeben, hat der MAN-Konzern eine neue Division ins Leben gerufen. Ihre Aufgabe es ist, den verschiedenen Playern im Logistikgeschäft völlig neue, ganzheitliche Services anzubieten. Marketing- & Vertriebsleiter Frank Tinschert gibt einen Einblick über die Notwendigkeit der Entstehung dieser Spezialeinheit und den dazu notwendigen Drive.

Vorgeschichte der revolutionären Sondereinheit

1897

Die revolutionäre Erfindung des Dieselmotor-Prinzips ist auf die MAN zurückzuführen. Veränderung steckt seitdem genotypisch in unserer DNA – besonders die hochgradig dynamische Gründungszeit spricht Bände. Doch die MAN Truck & Bus AG hat nicht nur die Transportbranche bereits mehrfach verändert.

1912-Diesel-klein
Rudolf Diesel entwickelte den Dieselmotor bei MAN
F8_1951-klein
Flaggschiff des Wirtschaftswunders: MAN Truck F8

 

 

1951

In den 1950ern befanden wir uns mitten im Wirtschaftswunder Deutschland – Aufschwung überall. Da wurde nur selten auf Kosteneinsparungen geachtet. Vielmehr hieß es „investieren“ und  „produzieren“. Bei MAN haben wir aber mit Weitblick erkannt, dass es früher oder später wichtig sein wird, nicht nur leistungsfähige, sondern auch effiziente Fahrzeuge zu bauen. So schufen wir bereits 1951 mit dem F8 ein Wirtschaftlichkeitswunder: Der MAN Truck F8 mit seinem V8 180PS Motor wurde als Flaggschiff für das bevorstehende Wirtschaftswunder angesehen.

1970

Mit der Marke NEOPLAN, die bereits 1970 Busse der Megaklasse baute, holte sich MAN 2008 die marktdominierende Kompetenz im Bereich Premiumreisebusse ins Haus.

Heute

Wir haben ein Start-Up im Unternehmen gegründet. Eine Business Unit mit dem Arbeitstitel MAN Digital Solutions. Bei sämtlichen Aufgaben dieser Einheit geht es um den Kundenmehrwert und nicht um den reinen Profit. Dieser Mehrwert für den Kunden ist unser zentraler Handlungsmotivator und Ziel jeder Aktion. Wir möchten zusammen mit dem Kunden und nicht an ihm wachsen.

 „Bei der Wahl der Unternehmensphilosophie unseres Start-ups haben wir einen klaren Weg eingeschlagen.“

Bei der Wahl der Unternehmensphilosophie unseres Start-ups haben wir bei dem Gegensatzpaar Hierarchie vs. Netzwerk einen klaren Weg eingeschlagen. In der traditionellen Unternehmenskultur spielen Hierarchien eine große Rolle. Für die Entscheidungsfindung ist dieses System (zu) langsam.
Im Netzwerk hingegen werden Lösungen interdisziplinär erarbeitet und Entscheidungen eigenverantwortlich getroffen. Wir haben uns klar für diesen agilen Weg entschieden, und uns dafür ausgesprochen, Lösungen nicht mehr in langwierigen Prozessen zu entwickeln. Denn besonders in der schnelllebigen digitalen Welt besteht dann die Gefahr, dass das Problem zum Zeitpunkt der Lösungsfindung gar nicht mehr existiert. Bei uns ist das Experimentieren von der ersten Idee an ein essenzieller Entwicklungsbestandteil. Errare hmanum est – Irren ist menschlich; Fehler sind sogar ausdrücklich erwünscht. Denn nur aus diesen Fehlern ist es möglich zu lernen – und zu wachsen. Dass schnelle Ergebnisse zudem hochgradig motivierend sind, muss nicht weiter ausgeführt werden.

„Neuer Input von außen liefert wichtige Denkanstöße und sorgt für Qualitätskontrolle durch ständiges Hinterfragen der Tätigkeiten im Team.“

Das oberste Ziel des Herstellers war bis dato stets die Entwicklung der Produkte im eigenen Haus. Der Ingenieur wurde als Qualitätsmerkmal angesehen. Doch das Geschäftsfeld der digitalen Dienste ist eben nicht Kerngeschäft des Herstellers. Somit würde es Jahre dauern, diese Expertise im Unternehmen aufzubauen. Da uns diese Zeit nicht bleibt, hat die MAN die besten ihres Faches von außen akquiriert.

Zukunft

Der Fahrer wird in keinem Zukunftsszenario vollkommen von autonom arbeitender Technik abgelöst. Er wird aber künftig stärker bei seiner Tätigkeit unterstützt als es bisher der Fall war. Ferner wird es Arbeitsabläufe in bestimmten Situationen geben, die in der Zukunft nur noch überwacht, jedoch nicht mehr selbst ausgeübt werden.

MG_0438-klein-1408x939
Platooning als Brückentechnologie zum autonomen Fahren

Platooning ist dafür ein sehr gutes Beispiel: Dabei werden Fahrzeuge elektronisch so miteinander gekoppelt, dass mehrere Einheiten auf der Autobahn quasi autonom im Konvoi fahren können. Wir betrachten diese Technologie als Brückentechnologie hin zum autonomen Fahren.

Im Gegensatz zu seinen Aufgaben hat sich der Arbeitsplatz des Fahrers in den vergangenen Jahren kaum verändert. Im LKW gibt es viele unterstützende Systeme, die dem Fahrer an die Hand gegeben werden, und das Fahrzeug an sich erfuhr durch die voranschreitende Digitalisierung stetig Veränderungen.

„Wir haben die Herausforderung angenommen, den Arbeitsplatz eines Fahrers derart zu verändern, dass er eine wirkliche Unterstützung im steigenden Anforderungsprofil darstellt.“

Wir haben nun die Herausforderung angenommen, den Arbeitsplatz eines Fahrers derart zu verändern, dass er eine wirkliche Unterstützung im steigenden Anforderungsprofil darstellt. Dadurch wirken wir dem Fahrermangel entgegen: In Zukunft wird es weitaus attraktiver sein, fünf Tage pro Woche hinter dem Steuer eines 18-Tonners zu verbringen!

gn_000_1_Titel_MAN_ServiceCare_KeyVisual_HG-1408x940
Digitalisierung bewirkt veränderte Arbeitsplätze für Truck-Fahrer

Die MAN Truck & Bus AG hat bereits Kompetenz auf dem Gebiet der Hybridtechnologie (Diesel-Elektrisch) bewiesen. Das rein elektrische Fahren hingegen gewinnt im Nutzfahrzeugsegment immer mehr an Bedeutung. Gerade im Verteilersegment steigt die Nachfrage nach Konzepten zur reinen Elektromobilität. Treiber für die Kunden sind hierbei emissionsfreies Fahren, Geräuschreduktion (PIEK Zertifizierung) und die Forderung von innovativen Transportkonzepten. MAN wird sich im Bereich E-Mobilität sowohl im Truck- als auch im Busmarkt etablieren.

Der Weg zur Schaffung des Nucleus der neuen vernetzen Digitalisierungswelt erfordert neben der Ausstattung mit allen erforderlichen Mitteln und einer ordentlichen Portion Leidenschaft für das Thema vor allem die Existenz fünf essenzieller Faktoren:

Agilität: Etwas Revolutionäres durchzusetzen bedeutet Veränderung. Veränderung bedeutet, seinen Bereich der Komfortzone zu verlassen und Mauern einzureißen. Doch welche Mauern sind es, die eingerissen werden müssen? Und warum? Es sind die Mauern, die jene errichten, die lieber innerhalb ihrer Komfortzone verweilen, um den Status Quo erhalten zu können. Es sind die Mauern derer, die den Stillstand der Veränderung vorziehen. Es sind aber auch die Mauern in uns selbst. Denn Veränderung ist immer auch mit Schmerz verbunden und das Verlassen der Komfortzone kein einfaches Vorhaben. Doch Veränderung ist wichtig: Veränderung bedeutet Leben. Veränderung bedeutet Anpassung – Anpassung an eine extrem dynamische Welt.

„Alles ist ständig in Bewegung. Alles ist im Fluss und alles ist mit allem verbunden. Bewegung bedeutet Veränderung.“

Geschwindigkeit: Veränderung braucht Geschwindigkeit. Es ist notwendig, die neuen Möglichkeiten schnell zu erkennen und flexibel darauf zu reagieren. Ebenso ist es essenziell, sich ständig selbst zu hinterfragen und sich oft neu zu erfinden.

„Veränderung heißt Leben. Nichts Lebendiges steht jemals still. Stillstand bedeutet Tod.“

*Technologie: Sich selbst neu zu erfinden, bedarf neuester Technologie. Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Grenzen zwischen Hardware und Software verschwinden: Ein Auto wird nicht länger einfach nur ein Transportmittel sein, und Hersteller werden künftig nicht mehr im Stande sein, die Software dafür selbst programmieren zu können. Wer die Technologie von heute nicht beherrscht und von morgen nicht kennt, der wird es schwer haben.

Wille: Veränderung bedeutet zu kämpfen. Zu kämpfen gegen alles, was den Status Quo aufrechterhalten will. Dieser Gegner ist nicht selten auch in uns selbst zu finden. Und da dieser Kampf kein leichter und sicher nicht von heute auf morgen zu gewinnen ist, bleibt dabei die Eigenschaft der Ausdauer eine unverzichtbare.

Team: Veränderung erfordert Teamgeist und den Glauben an die gute Sache. Es ist zwingend notwendig, eingefahrene Praktiken nach dem Definitionsschema TEAM: „Toll, Ein Anderer Macht’s!“ über Bord zu werfen. Wer sich in der Welt einer sharing society noch immer allein auf den Weg macht, wird es im Umfeld von Allianzen schwer haben. Zudem vergibt er die Chance, sich der Fähigkeiten von Spezialisten zu bedienen. Deshalb sollte man im ständigen Prozess der Veränderung zu keiner Zeit den Überblick und schon gar nicht das Ziel und die Aufgabe aus den Augen verlieren.

„Mit unserer neuen Division sorgen wir von MAN dafür, dass nur die Besten ihres Faches zusammenfinden, um die Veränderung einer ganzen Branche zu gestalten.“

Dafür sind wir von Digital Solutions angetreten. Einer allein kann stets nur wenig bewegen. Im Team lassen sich auch die größten Hindernisse bewältigen. Im Team erfolgt bei einzelnen Profis ihres Faches eine Umwandlung von belächelten Freaks zu den Schaffern von etwas, wofür sie allein niemals im Stande gewesen wären.

Auf dem Gebiet der Logistikdienstleistungen gibt es unzählige Experten, große und kleine. Doch keiner hat es bisher allein geschafft, mit seinen Produkten den Logistikunternehmen einen vollkommenen Nutzen zu bringen. Denn ein einzelnes Portfolio ist immer begrenzt. Doch was diese Unternehmen benötigen ist genau das: die alles umfassende Unterstützung im technologischen Wandel. Mit unserer neuen Division sorgen wir von MAN dafür, dass die Besten ihres Faches zusammenfinden, um die Veränderung einer ganzen Branche zu gestalten und Wohlstand und Fortschritt in die Welt zu tragen.

Autor

Frank

Frank Tinschert

Frank Tinschert ist Leiter der Bereiche Marketing und Vertrieb in der bei MAN Truck and Bus neu gegründeten Unternehmensdivision Digital Solutions.

Beitrag teilen

LinkedIn Twitter Xing Xing

Als PDF speichern

PDF